Hallo!

Ich bin Anja Harnisch und ich bin Journalistin.

Schon seit ich zu lesen lernte, faszinieren mich Worte. Durch ein Praktikum rutschte ich nach meiner Matura in den Journalismus hinein und verliebte mich in die Branche. Derzeit absolviere ich die Diplomausbildung Journalismus am Medienausbildungszentrum MAZ. Dabei arbeite ich auf verschiedenen Redaktionen von CH Media.

  • Vom Pfotenverband bis zur Reanimation

    Ralf Fösgen, Hundephysiotherapeut aus Kaiseraugst, führt Erste-Hilfe-Kurse für Hunde durch. Wie sie funktionieren, zeigt ein Besuch.

    Sieben Menschen, vier Hunde, zwei Puppen: Die Hundewiese am Violahof in Kaiseraugst ist belebt am Montagabend. Bäume spenden Schatten und schirmen vor der untergehenden Sonne ab. «Wir sind bei den Brüchen stehengeblieben», sagt ein Mann, der zwischen zwei Festtischen steht und Verbandsmaterial in den Händen hält. Er heisst Ralf Fösgen und ist Hundephysiotherapeut. Seit vier Jahren organisiert er zudem Erste-Hilfe-Kurse für die Vierbeiner.

    Hundephysiotherapeut Ralf Fösgen aus Kaiseraugst verarztet exemplarisch seine Hündin Bella.

    Zum fünften Mal führt er die Teilnehmenden – heute sind es sechs – durch verschiedene Sanitätsprozesse. Die Kurse sind jeweils auf zwei Tage aufgeteilt. Er zeigt Verbandstechniken, Maulschlingen und auch Reanimationsmassnahmen. Wo seine Hündin Bella nicht mitmacht, greift er zu einer der beiden bereitgestellten Puppen. Die Menschen vor Ort beteiligen sich aktiv, stellen Fragen, erzählen Anekdoten. Das Umfeld ist locker und entspannt, trotz des ernsten Themas.

    «Was macht ihr, wenn ihr eine Bisswunde findet?», fragt Fösgen in die Runde und beantwortet sich die Frage gleich selbst: «Den Gegenbiss suchen!»

    Ein Druckverband will auch am Hund richtig angelegt sein. Deshalb zeigt Ralf Fösgen an einer Puppe, wie er richtig gemacht wird.

    «Ach so, ja klar!», ruft eine Teilnehmerin. Ihr kleiner Pudel sitzt derweil auf einer Decke neben ihr und scheint sich am Gewusel um sich herum nicht zu stören. Nach einem Theorieblock beginnen die Anwesenden unter Anleitung Fösgens, ihre tierischen Begleiter selbst zu verarzten.

    Die meisten sind nicht das erste Mal dabei

    Zwei Frauen legen etwa einen Pfoten- und einen Kopfverband an der mitgebrachten Dana an. Die routinierten Griffe deuten an, dass sie das nicht zum ersten Mal machen. Und tatsächlich: «Ich bin Wiederholungstäterin und werde auch das nächste Mal wieder kommen», schildert die Besitzerin. Damit ist sie nicht alleine. Auch zwei andere Teilnehmerinnen erzählen, bereits zum zweiten Mal an einem Kurs dabei zu sein.

    Zwei Kursteilnehmerinnen bandagieren Hündin Dana.

    Was genau bringt aber ein Nothelferkurs für Hunde? Fösgen ordnet ein: «Ich bin kein Tierarzt. Mein Kurs ist als Stütze gedacht.» Im Rahmen seiner Ausbildung zum Hundephysiotherapeuten musste er einen Erste-Hilfe-Kurs belegen. Dabei lernte er Dinge, die er selbst nicht wusste, und will diese nun weitergeben. Die Kurse sollen Hundehaltenden Sicherheit geben. «Sicher wirst du nicht alles nach Bilderbuch machen. Aber wenn ein, zwei Sachen hängen bleiben, ist das schon gut», sagt er zu einer Teilnehmerin.

    Der Kurs erinnert in vielen Teilen an das Pendant für Menschen. Auch bei Hunden kann etwa eine Herzdruckmassage angewendet und im selben Rhythmus wie bei Menschen durchgeführt werden. Das A und O, wie Fösgen es nennt, sei dabei der Eigenschutz. «Lasst euch nicht beissen!», erinnert er die Teilnehmenden immer wieder. So zeigt er auch eine Maulschlinge vor, die Bissverletzungen vorbeugen soll.

    Eine Maulschlinge hilft, im Notfall nicht vom Hund gebissen zu werden.

    Hundehaltende sollen sich sicherer fühlen

    Im Verlauf der Jahre passte der Hundephysiotherapeut seine Unterlagen stets an. Die Kurse seien weiterhin nötig. «Die Nachfrage ist da», bestätigt er. Wichtig sei, die angewendeten Techniken zu üben. Zudem haben nur wenige Menschen eigene Dummys, an denen sie die Reanimation üben können, zu Hause. Diese könne man sich im Kurs teilen. «Die Leute kennen die Dummys zum Teil gar nicht», sagt Fösgen.

    Mit dem Angebot möchte er auch etwas erreichen. «Ich will, dass die Leute sicherer werden.» Bei einem Vorfall wie etwa einem Biss oder einer Schnittwunde können Hundehaltende nach dem Kurs besser abschätzen, ob sie dringend zum Tierarzt müssen oder nicht – besonders, wenn es am Wochenende passiert und nur Notfallkliniken geöffnet sind. Und er sieht, dass sein Kurs wirkt, wie er schildert: «Ich merke, die Leute kommen immer wieder, und sie sind selbstsicherer.» Sein Wissen möchte er weiterhin vermitteln – auch an Menschen, die bisher nicht bei seinen Kursen waren.